Fern vom Alltag aber gemütlich wie daheim Urlaub als "ganzheitliches Wohlfühl- Konzept" (APA)

Veröffentlicht von marcus (marcus) am 18.04.2009
Zukunft des Reisens >>

23.02.2006 (APA - online journale touristik)

Die Reiseindustrie gilt als das "Global Business" der Zukunft. In den nächsten
10 bis 15 Jahren tritt ein neuer Typus von Weltenbummler aufs Tapet, der sich
auf der Reise gern in "Kontrastwelten" bewegt, prognostizieren die
Trendforscher des deutschen Zukunftsinstituts in ihrer aktuellen Studie
"Tourismus. Die neuen Sehnsuchtsmärkte". Kommunikativ und auf Komfort
bedacht, sucht er das Authentische in der Flucht aus dem Alltag.
Aber auch der Heimaturlaub erhält in den Reisetrends der Zukunft einen
neuen Anstrich. Selbst der Pauschaltourismus zeigt sich, allen Unkenrufen
zum Trotz, in abgewandelter Form quicklebendig. Mit der demografischen
Veränderung fächern sich die Bedürfnisse der Kunden auf, klassische
altersspezifische Zuordnungen greifen nicht mehr und selbst unter der 50-Plus
-Generation gibt es abenteuerlustige Individualisten. Eine Herausforderung an
die Vertreter der Tourismusindustrie im Geschäft um die neuen
"Sehnsuchtsmärkte".

Die Tourismusindustrie gilt bereits jetzt als der Markt mit den größten
Wachstumschancen. Sie ist gleichzeitig die Branche mit den höchsten
Beschäftigungsraten. Weltweit sind laut dem Welttourismusrat ( WTTC ) an die
10 Prozent aller Arbeitsplätze in der Reiseindustrie angesiedelt, mit weiter
steigender Tendenz. Rechnet man die direkten und indirekten Effekte über
Handel und Dienstleistungen hinzu, potenziert sich der einnahmenseitige
Faktor durch die Reiseindustrie weiter.


Genussorientierte Hedonisten
 

Die touristische Kernzielgruppe der Zukunft verbindet Genuss, Gesundheit und
neues Wertebewusstsein, inklusive einer neuen Form von Naturbegeisterung,
so die Studienautoren Eike Wenzel und Anja Kirig. Damit erhöhen sich auch
die Ansprüche, da die Erwartungen sowohl an die Destination steigen -
Stichwort - Eco-Tourismus - als auch der Wunsch nach Qualität und Service
gekoppelt ist an ein "ganzheitliches Wohlfühl-Konzept".


Forciert wird diese Entwicklung nicht zuletzt von den Frauen in der
Alterskategorie zwischen 25 und 40, die für sich und ihre Familien einen
Urlaub unter dem Vorzeichen "Umwelt- und Genussorientierung mit einem
guten Gewissen" praktizieren wollen. Während zur Gruppe der "jungen
Abenteurer auf der Suche nach Adrenalin-Kicks vorrangig Männer im Alter
zwischen 14 und 29 gehören. Mit einem geschätzten Fünf bis Zehn-Prozent-
Anteil ist diese Zielgruppe jedoch vergleichsweise klein. Die Zukunftsforscher
bescheinigen den so genannten LOHAS, den Life-Stylisten im Zeichen des
gesunden Genusses einen zukünftigen Anteil am Reisemarkt von über einem
Drittel.

Pauschaltourismus im Umbruch

Der industrielle Massenmarkt verliert hingegen zunehmend an Bedeutung. Ihre
Kundenschicht, die Urlaub im Ausland und diesen möglichst billig als eine Art
Status-Symbol zelebriert, gehört Eike Wenzel zufolge einer "aussterbenden
Spezies" an. Zwar werde ein Viertel bis 20 Prozent weiterhin sich vom
Billiganbietermarkt bedienen lassen. Aber der generelle Trend der Urlauber,
sich gegen eine "schnelle Bedürfnisabfertigung" zu entscheiden, greift auch
am Billigreisesegment. Man will den Traum eines "besseren Lebens" und
seine Sehnsüchte gestillt haben, wenn auch in ökonomisch machbaren Dosen,
oder eben mit kürzeren Aufenthalten.

So wird lieber bei Ausgaben im Alltag wie Kleidung oder Essen gespart, als auf
die Auszeit vom täglichen Leben zu verzichten. Wenn der große
Sommerurlaub nicht mehr mit dem Budget vereinbar ist, wird die "kleine
touristische Form" gewählt. So werden Städte besichtigt, Bekanntenbesuche
gemacht oder man geht auf Naturentdeckung in der Heimat, erläutert der
Studienautor im Gespräch mit den APA-OnlineJournalen. Er widerspricht damit
Erhebungen, die davon ausgehen, dass das Heer der Nichturlauber immer
größer wird. Es gebe immer Schlupflöcher im Rahmen des Inlandstourismus,
das mit wenig Geld absolviert werden könne, so Wenzel

Heimaturlaub als alternativer Aufbruch
 

Die Experten orten zwei gegenläufige Trends im Tourismus der Zukunft.
Während die neue Gruppe der so genannten "Welteroberer" sich auf der
Suche nach Exotik und Kontrastwelten sich an den Fernmärkten ausrichten,
gibt es parallel dazu den "Aufbruch ins Vertraute". Eines ist ihnen jedoch
gemeinsam: Sie suchen die Auseinandersetzung mit sich selbst.
Heimat wird mit Nähe und Wohlfühlen in Verbindung gebracht und als nichtnationaler
Wert geschätzt, betonen die Studienautoren. Der Begriff
versinnbildlicht den Wunsch nach Bodenständigkeit und nach den eigenen
Wurzeln, wenn auch mit Komfort und Luxus.

Als Prototyp dieser romantischen Sehnsüchte in heimatlichen Gefilden gilt das
Kärntner Almdorf "Seinerzeit". Ein aus 24 Gebäuden bestehendes "Biotop für
sinnsuchende Großstädter". Es suggeriert traditionellen Lebensstil, ohne dass
der Urlauber auf Hotel ähnliches Service verzichten muss.
Auch das Zirbenland in der Steiermark vermarktet das Vertraute für die
attraktive Zielgruppe der "Bestager" unter dem Label " Wohlfühlurlaub 50Plus "
und scheint damit den Zeitgeist punktgenau getroffen zu haben.
Der Genusstourismus wiederum verbindet Tradition mit regionaler Esskultur.
Auch hier findet sich Österreichs Initiative, sich als "Feinkostladen Europas" zu
vermarkten, im Trend wieder. Die " Genuss Region Österreich " - eine Aktion
des Lebensministeriums, gemeinsam mit dem Agrarmarkt Austria und den
Bundesländern - wirbt mit regionaltypischen Spezialitäten à la Mostviertler
Birnmost oder Waldviertler Mohn. Ziel ist die Förderung von bäuerlichen
Strukturen und regionalem Tourismus gleichermaßen.
 

Diesen tief greifenden Bedürfniswandel im Tourismus formuliert der Leiter des
Hamburger BAT-Freizeitforschungsinstitut , Horst Opaschowski,
folgendermaßen: "Der Erholungstourismus ist überholt, der Erlebnistourismus
hat sich überlebt. Und der Wohlfühltourismus wird zum prägenden Merkmal
des 21. Jahrhunderts. Der Urlaub wird immer mehr zum zweiten Zuhause - nur
eben ganz anders, fern vom Alltag - aber so gemütlich wie zu Hause."
 

Download pdf von der Seite des Zukunftsinstituts

Zuletzt geändert am: 18.04.2009 um 11:29 AM

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